The day the music died

Der Tag, an dem die Musik starb, war der Tag, an dem die Bücher brannten

Ich frage mich, was passiert ist, liegt es an mir oder woran sonst
Früher bestand mein Leben aus Musik hören und lesen
Eines von beiden machte ich immer

Nicht selten ging ich zu Karstadt und kaufte für 100 Mark Bücher
Das waren dann zehn, zwölf Stück, und die reichten kaum für einen Monat
Ich liebte es, auf Flohmärkte zu gehen und mir Bücher zu kaufen
Ich hatte fünf große Billy-Regale voller Bücher
Krimis, Grusel, Liebesromane
Die sind alle weg
Ich wohne ja nicht mehr da
Und jetzt - wenn mein Mann nicht im Bertelsmann-Club wäre, würde ich gar keine Bücher mehr kaufen
Für eins brauche ich Wochen

Als ich ein Teenie war, gab es jeden Mittwoch Mal Sondocks Hitparade im Radio
Ich nahm Dutzende Cassetten auf und hörte sie Tag und Nacht, auch noch als Erwachsene
Ich stellte die Musik so laut wie es ging und stellte mir vor, ich sei ein Popstar
Ich saß viel lieber in meinem Zimmer und hörte Musik, als dass ich vor dem Fernseher saß
Das heißt, ich saß nicht in meinem Zimmer, ich tanzte
Meine Lieblingsbands waren The Sweet, Abba, The Teens und Culture Club
Uwe Schneider und Boy George habe ich geliebt
Uwes Namen habe ich mir sogar tätowiert und erst 1992 durch einen Schmetterling ersetzen lassen
Und jetzt - ich höre zwanzig Minuten Radio am Tag, auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause
Die Pet Shop Boys-DVD habe ich einmal gehört
Meine Stereoanlage verstaubt

Wo sind sie hin, die Musik und die Bücher?
Warum brauche ich sie nicht mehr?
Und vor allem - wodurch wurden sie ersetzt?
Von meinem Laptop? Internet?

Oder träume ich nicht mehr?

Bye, Bye Miss American Pie...
Adelheid, am Montag, den 26. Juli 2010
 
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